Happy End (2013)

Die Performance Happy End von Anne Juren entsteht 2013 im Rahmen des steirischen herbst in Graz und entwickelt sich aus der gleichzeitigen Auseinandersetzung mit Franz Kafkas Romanfragment Amerika und Martin Kippenbergers Installation The Happy End of Franz Kafka’s Amerika. Im Zentrum steht die Frage, wie sich ein Ende denken lässt, das als Versprechen formuliert ist und zugleich brüchig bleibt.

Kafka entwirft mit dem „Naturtheater von Oklahoma“ eine radikale Vision von Aufnahme und Zugehörigkeit. Kippenberger übersetzt diese literarische Utopie in eine räumliche Anordnung aus Möbeln und Situationen, die zwischen Einladung und Orientierungslosigkeit oszilliert. Anne Juren greift beide Ansätze auf und verschiebt sie in die choreografische Praxis. Die Arbeit bewegt sich damit bewusst zwischen Literatur, bildender Kunst und Performance.

Im Arbeitsprozess verbindet Juren Bewegung, Stimme und räumliche Setzungen zu einer Struktur, in der der Körper selbst zum Ort der Verhandlung wird. Ausgangspunkt bildet nicht die Illustration vorhandener Bilder, sondern deren Transformation. Die Bühne erscheint als Versuchsanordnung, in der sich kollektive Versprechen körperlich einschreiben und zugleich unterlaufen lassen. Präsenz entsteht dabei aus dem Wechselspiel von Teilnahme und Distanz, von Angebot und Zumutung.

Happy End gewinnt seine Relevanz aus dieser Verschiebung zwischen den Medien. Indem die Arbeit Kafkas offenes Ende und Kippenbergers künstlerische Fortschreibung in den Körper überführt, stellt sie die Bedingungen von Zugehörigkeit neu zur Disposition. Das versprochene Happy End erscheint nicht als Abschluss, sondern als instabile Konstruktion, die immer wieder neu hergestellt wird und sich zugleich entzieht.

Choreography: Anne Juren
With: Laia Fabre, Deborah Hazler, Rotraut Kern, David Subal
Set design: Roland Rauschmeier
Light design/technical direction: Bruno Pocheron
Costume: Lise Lendais
Composition, Sound direction: Peter Böhm
Dramaturgy: Silke Bake, Annie Dorsen
Production: Pia Kirchler
Artistic management: Silke Bake

”Happy End“ is a production of Wiener Tanz- und Kunstbewegung, coproduced by steirischer herbst (Graz), HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Tanzquartier Wien and tanzhaus nrw (Düsseldorf). Supported by the NATIONALES PERFORMANCE NETZ (NPN) Coproduction Fund for Dance, which is funded by the Federal Government Commissioner for Culture and the Media on the basis of a decision by the German Bundestag. Supported by Kulturabteilung der Stadt Wien. The guest performance takes place in the context of modul-dance, funded by the Culture Programme of the European Union.

© Roland Rauschmeier

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